Szenen einer Krippe im Landkreis Günzburg

GZ vom 08.12.19

Helmut Gollmitzer von den Günzburger Krippenfreunden erklärt, warum wir uns im Landkreis schon im Paradies befinden und wie sich die Krippen verändern. Von Bernhard Weizenegger

 

Die Herbergssuche gehört zu den ersten Szenen in der überlieferten Geschichte von Maria und Josef von Nazareth in der Simultankrippe der Familie Gollmitzer.

 

Die Adventszeit ist auch Krippenzeit – seit dem ersten Advent sind in vielen Kirchen die Krippen bereits aufgebaut. In den Privathäusern stehen diese teilweise seit vielen Generationen vererbten Kunstwerke erst kurz vor Weihnachten. Der Landkreis Günzburg wird gerne als „Schwäbisches Krippenparadies“ bezeichnet. In etlichen Gemeinden gibt es Krippenausstellungen oder Krippenwege. Dabei öffnen die Familien ihre Häuser für Interessierte und es findet ein reger Austausch zwischen den Menschen statt.

 

Mit den Krippen sind Familiengeschichten verbunden, es gibt zahlreiche Krippenbauer und Holzschnitzer, die ihr Können erlernt oder selbst angeeignet haben. Ihr Ruf breitete sich mit den Jahren weit über den Landkreis hinaus aus. Auch deshalb findet im Schwäbischen Krippenparadies von Weihnachten bis Lichtmess ein regelrechter Krippentourismus statt.

 

 

Krippenfans kommen nach Günzburg

 

Nahezu jedes Jahr kommen Krippenfans mit Bussen aus dem Stuttgarter Raum oder dem Schwarzwald nach Günzburg, wo dann als fachkundige Führer Helmut Gollmitzer und seine Frau Theresia zusteigen. Der Reisensburger ist seit etwa 40 Jahren bei den Günzburger Krippenfreunden und dort im Vorstand als Beisitzer aktiv am Vereinsleben beteiligt.

 

Christi Geburt ist hier in einer Höhle dargestellt. Rein aus Naturmaterialien, wie dieser alten Wurzel, wurde die Krippenlandschaft geschaffen.

 

Der 78-Jährige weiß, wo die schönsten Krippen in der Region sind. Er erklärt an seiner orientalischen Simultankrippe (mehrere Szenen sind nebeneinander dargestellt), wie sich die liebevoll geschaffenen Kunstwerke vom Aufbau um den ersten Advent bis Maria Lichtmess Anfang Februar verändern.

 

 

Schwierige Herbergssuche gleicht heutiger Wohnungssuche

 

Die Herbergssuche des Bauhandwerkers Josef von Nazareth und seiner hochschwangeren Frau Maria war damals ähnlich schwierig, wie die Wohnungssuche heute. Die lebhaften Gesichtsausdrücke der handgeschnitzten Figuren lassen erahnen, welche Enttäuschungen das Paar mit Esel, Hab und Gut, erleben musste. Die Geburt Jesu ist hier nicht im Stall, sondern in einer Wurzelhöhle dargestellt.

 

Die Figuren aus Zirbenholz des Südtiroler Schnitzers Frank Planker aus Wolkenstein im Grödnertal passen proportional stimmig in die Szenerie mit Hirten und Schafen. Nicht weit entfernt knien auf Moosflächen zahlreiche Hirten, die von der Verkündigung des Engels ganz eingenommen sind.

 

Die Heilige Familie in einer Alltagsszene. Der Zimmermann Josef von Nazareth vor dem Wohnhaus mit Maria und dem Jesussohn, der ihm zur Hand geht.

 

„Erfahrene Krippenbauer achten darauf, dass die Figuren ganz auf den Engel ausgerichtet sind“, erklärt der Fachmann die Details.

 

 

Welche Figuren an Dreikönig in der Krippe ersetzt werden

 

In der Ferne zieht bereits eine Karawane herbei. Berggipfel begrenzen den Horizont, eine Stadt ragt auf einem Hügel empor. „Zur Geburt haben diese Figuren nur eine Größe von zehn Zentimetern. An Dreikönig werden sie durch zwölf Zentimeter große Könige ersetzt“, sagt Gollmitzer. Das ist aufwendig. Etwa 100 Figuren hat die Familie in all den Jahren im Grödnertal schnitzen lassen. „Das Wichtigste ist die Perspektive“, weiß der Krippenfreund.

 

Die Heiligen Drei Könige ziehen herbei. Weil sie noch weit weg sind, wurden für diese Szene kleinere Figuren gewählt. An Dreikönig werden sie durch größere ersetzt.

 

Wer vom Fach ist, wisse das. So ist auch die altersgerechte Darstellung Jesu eines der vielen Details, auf die es bei der Ausstattung der Krippenszenen ankomme. Und Maria trägt ihren Sohn an Dreikönig bereits auf dem Arm. Die Alltagsszene der Heiligen Familie zeigt Jesus schon als heranwachsenden Jugendlichen.

 

 

Vereinzelt sind Krippen auch ganzjährig aufgebaut

 

Dort hilft er vor dem elterlichen Haus seinem Vater Josef, der in der christlichen Überlieferung als Zimmermann bezeichnet wurde, bei seiner Arbeit mit Holz. Dahinter spinnt Maria Wolle. Die Szene ist bis in die kleinsten Details liebevoll arrangiert und lässt den Betrachter minutenlang mit den Augen auf Entdeckungsreise gehen.

 

Die Flucht aus Ägypten, die Hochzeit zu Kanaan oder die Taufe Jesu sind Stationen aus dem Leben Christi, die vielfach zu finden sind. Vereinzelt sind Krippen auch ganzjährig aufgebaut, wie in der Pfarrkirche in Ichenhausen.